Verkaufsstopp aufgehoben: Nokia vs. Amazon & Fire TV Stick
Wo hat Nokia eigentlich keine Patente? Nachdem sie OnePlus, Oppo (und Realme) lange Zeit erfolgreich aus den Verkaufsregalen in Deutschland verbannt hatten, gelang dies letztes Jahr im Oktober 24 auch bei Amazon. Dies betraf unter anderem auch den Fire TV Stick 4K Max und sogar der Streamingdienst Prime Video war in Gefahr.
Nun, im April 25, wurde eine außergerichtliche Einigung erzielt: Amazon darf das komplette Fire-TV-Produktportfolio wieder in Deutschland anbieten. Dafür zahlt man wohl Patentgebühren an Nokia.
Patentklage aufgrund “Technologie für Videostreaming”
Nokia klagte vor dem Landgericht München, weil Amazon “patentierte Video-Streaming-Technologie” in seinen Endgeräten verwendet und diese ohne Lizenz verkauft habe. Im Oktober 2024 wurde das Urteil vollstreckt, nachdem Nokia eine Sicherheitsleistung hinterlegt hatte. Daraufhin wurden einige Fire TV-Produkte aus dem Handel genommen. Betroffen waren Modelle, die eine Auflösung von 4K unterstützten. Ebenfalls betroffen waren Smart-TVs mit dem Betriebssystem Fire OS von Amazon.
Genauer gesagt ging es um das Patent “EP2375749”: System und Verfahren für effiziente skalierbare Stream-Anpassung. Dabei geht es um Streaming-Geräte von Amazon, die H.265 unterstützen, einen Standard zur Kodierung von Videoinhalten und Bildern. Damit können hochauflösende Inhalte bei gleichbleibender Qualität mit geringerer Bandbreite gestreamt werden.
Außergerichtliche Einigung
Nun wurde kurz vor April 2025 eine außergerichtliche Einigung erzielt und die einstweilige Verfügung aufgehoben. Wie viel Amazon an Nokia zahlt, ist leider nicht bekannt. Der Amazon Fire TV Stick 4K Max ist beispielsweise wieder regulär bei Amazon erhältlich und die unverbindliche Preisempfehlung von 79,99€ hat sich nicht geändert.
Die Amazon Fire TV Streamingsticks sind generell eine tolle Möglichkeit, seinen “dummen” Fernseher fit für Streaming aller Art zu machen!
Unsere Einschätzung
In vielen deutschen Haushalten ist sicherlich ein Fire TV Stick im Einsatz: ein sehr preiswerter Streaming-Stick und sicherlich eine Bereicherung des Technikmarktes. Auch der eigene Streamingdienst “Prime Video” wird sicher von vielen genutzt, da die Mitgliedschaft bei Amazon Prime inklusive ist.
Patente sind wichtig und die damit verbundenen Entwicklungskosten müssen honoriert werden. Aber dass Nokia mit seinen “grundlegenden Patenten für den Mobilfunk” wie zuletzt bei OnePlus / Oppo einen Hersteller so weit zurückwerfen kann und nun auch noch einen Branchenriesen regelrecht bedroht, grenzt an einen nervigen Eingriff in den Markt. Leidtragende sind am Ende nur wir Verbraucher, während die Unternehmen ihre Gewinne umverteilen. Gut, dass der Streit inzwischen “friedlich” beigelegt wurde.
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Erik, deine Meinung über geistiges Eigentum und Finanzierung von Forschung Forschung ist echt krass. Du bist also der Meinung, Nokia sei ein Patent-Troll und wünschst dir dass die ihre zahlreichen Patente in der Funktechnologie, die durch milliardenteure Grundlagenforschung entstanden und weiter entstehen, insbesondere an deutschen Universitäten und Forchsungsinstituten, kostenlos chinesischen und US amerikanischen Großunternehmen überlassen? Natürlich könnte Nokia das machen, ebenso wie alle übrigen Unternehmen, die Forscher und Ingenieure beschäftigen und unsere Hochschulen finanzieren. Doch leider werden wir dann aufgrund flächendeckend sinkender Bildung unseren Lebensstandard nicht mehr halten können, was letztlich auch für Jeff Bezos’ Amazon als auch den chinesischen… Weiterlesen »
Hallo, vielen Dank für deinen Kommentar und dass du dir die Zeit genommen hast, deine Sichtweise darzulegen. Es ist immer wertvoll, unterschiedliche Perspektiven zu einem Thema zu hören, besonders wenn es um komplexe Sachverhalte wie geistiges Eigentum, Forschungsinvestitionen und Marktstrategien geht. Ich möchte jedoch gleich zu Beginn ein zentrales Missverständnis ausräumen, das sich aus deiner Interpretation meines Artikels ergeben zu haben scheint: An keiner Stelle plädiere ich dafür, dass Nokia – oder irgendein anderes forschendes Unternehmen – seine Patente, die zweifellos auf teils milliardenschwerer Forschungs- und Entwicklungsarbeit (oft auch in Kooperation mit exzellenten deutschen Universitäten und Instituten, das ist unbestritten)… Weiterlesen »
Nuja, das ist wie so oft Ansichtssache … angenommen, man hat selber eine Firma, die (in welchem Bereich auch immer) Patente hält aufgrund von eigener Forschung und Entwicklung, dann wäre man wohl auch nicht “amused”, wenn ein Konkurrent diese Patente verletzt und keine oder nicht die geforderten Zahlungen leistet.
Ohne den konkreten Fall im Detail zu kennen finde ich es durchaus verständlich, dies vor Gericht zu bringen.
Dass es Auswirkungen auf Konsumenten haben kann, ist sicher unangenehm, aber nicht “lebensbedrohlich”.
Nokia ist inzwischen nur noch ein Patenttroll.
Nokia ist unter anderem ein nicht unbedeutender Telekom- und Netzwerkausrüster. Davon abgesehen handeln auch andere Firmen so – da ist eine Firma so “sympatisch” wie die andere. Letzten Endes sind Patente auch nur Waren und der Handel damit legal.