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Huawei FreeArc im Test – überzeugend, auch ohne Innovation?

Getestet von Jonas Andre am
Vorteile
  • gute Soundqualität
  • umfangreicher Equalizer
  • bärenstarke App (Huawei AI Life)
  • hervorragende Gesprächsqualität
  • hohe Lautstärke (für Open-Ears)
  • gute Akkulaufzeit
  • bequem und locker zu tragen
  • nachvollziehbarer Preis
Nachteile
  • kaum Bass
  • keine Trageerkennung (laufen einfach weiter)
  • kein hochwertiger Codec
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Mit den Huawei FreeClip konnte mich der Hersteller Anfang 2024 wirklich begeistern. Bis heute habe ich den speziellen Open-Ear-Kopfhörer in Gebrauch. Dieses Jahr zeigt sich der Hersteller mit dem Huawei FreeArc weniger innovativ. Der Name klingt so cool, dass ich beim Eintreffen des Testgeräts eigentlich dachte, es handele sich um einen Nachfolger meiner geliebten Open-Ears. Aber der FreeArc ist ein ganz normaler Open-Ear-Kopfhörer, den man sich hinter das Ohr dreht und der auf dem Datenblatt nichts Besonderes bereithält. Dafür ist der Preis von knapp 100€ durchaus konkurrenzfähig, und ob Huawei ein zweites Mal in unserer Bestenliste landen kann, erfahrt ihr im folgenden Testbericht.

Huawei FreeArc Test testbericht 1

Verarbeitung und Tragekomfort

Die Huawei FreeArc sind in den Farben Beige, Schwarz und einem hellen Grün erhältlich. Die Ohrmuscheln selbst und auch die Ladeschale bestehen komplett aus Kunststoff, aber Huawei weiß erwartungsgemäß damit umzugehen und nichts fühlt sich billig an. Die einzelnen Earbuds bestehen teilweise aus weichem, samtigem Kunststoff und auch aus glatten Oberflächen. Bei den FreeArc hat sich Huawei für die bekannte Open-Ear-Variante entschieden, die hinter dem Ohr eingedreht wird. Sie bestehen also aus zwei größeren Teilen, die mit einem flexiblen Teil verbunden sind. Der flexible Teil läuft dann hinter dem Ohr entlang und die größere Einheit mit dem Lautsprecher sitzt dann genau vor dem Ohr. Ein einzelner Earbud wiegt nur 9 Gramm und ist hinter dem Ohr kaum wahrnehmbar. Dank der IP67-Zertifizierung können weder Regen noch Schweiß den Kopfhörern etwas anhaben.

Das Ladecase macht einen hochwertigen Eindruck, und die einzelnen Kopfhörer lassen sich zum Laden und Verstauen einfach einlegen. Im Inneren befindet sich neben dem FreeArc selbst nur ein Knopf für das Pairing. Auf der Außenseite befinden sich der Huawei-Schriftzug, der USB-C-Ladeanschluss und eine mehrfarbige LED. Mit Kopfhörern wiegt das Ladecase 85 Gramm und lässt sich mit 26,5 x 67,8 x 67,8 Millimetern problemlos in der Hosentasche verstauen.

Zumindest in meinen Ohren sitzen die Kopfhörer ausreichend fest und wackeln nur bei heftigen Bewegungen hin und her. Nach kurzer Zeit vergisst man schon mal, dass man Kopfhörer auf bzw. an den Ohren hat. Genau so soll es sein. Huawei macht hier alles richtig. Der Tragekomfort ist auf höchstem Niveau und trotz des vielen Plastiks haben wir an der Verarbeitung des Huawei FreeArc nichts auszusetzen. Im Lieferumfang befindet sich nichts, nicht einmal ein kurzes USB-C-Kabel ist dabei. Lediglich ein paar Zettel befinden sich in der gewohnt großen Pappschachtel.

Lieferumfang der Huawei FreeArc

Klang- und Gesprächsqualität der Huawei FreeArc

Auf dem Papier macht Huawei mit dem relativ alten Bluetooth 5.2 Standard und ohne hochauflösende Codecs (nur AAC und SBC) zunächst wenig Eindruck. Wie bei ausnahmslos allen Open-Ear-Kopfhörern fehlt es vor allem bei höheren Lautstärken an Tiefe. Das liegt an den fehlenden Bässen und fällt besonders auf, wenn Mitten und Höhen in den Vordergrund treten. In der Standardeinstellung gefällt mir die Klangqualität der FreeArc gut, hebt sich aber nicht deutlich von anderen Modellen im gleichen Preissegment ab. Hier hätte ich von Huawei tatsächlich etwas mehr Klangqualität erhofft. Am wohlsten fühlt sich der FreeArc, wie viele andere Modelle auch, bei Podcasts und Hörbüchern. Auch beim Sport oder Fahrradfahren, wenn man mit seiner Umwelt verbunden bleiben möchte, machen die Kopfhörer eine gute Figur. Nach wie vor kann aber auch die direkte Umgebung mithören, z.B. Sitznachbarn in Bahn oder Bus könnten sich sogar gestört fühlen. Ein klarer Pluspunkt ist dann der in der App integrierte Equalizer, mit dem ihr neben 4 Presets den Sound individuell anpassen könnt. Zur App gleich mehr.

Huawei punktet zudem mit einer ausgezeichneten Gesprächsqualität, insbesondere bei Nebengesprächen. Die Huawei FreeArc filter Umgebungsgeräusche exzellent heraus und übertragen die eigene Stimme auch bei stärkerem Wind noch solide. Die Stimmübertragung selbst war etwas flach, aber durchgehend klar verständlich.

Steuerung und Huawei AI Life App

Beim ersten Auspacken befinden sich die Kopfhörer beim Herausnehmen aus dem Ladecase direkt im Pairing-Modus. Alternativ kann der Pairing-Modus durch kurzes Drücken der Taste in der Ladeschale aktiviert werden. Die Huawei FreeArc unterstützen Bluetooth Multipoint und können somit mit 2 Geräten gleichzeitig gekoppelt werden. Welche das genau sind, kann man in der App sehen und auch konfigurieren. Ansonsten gab es keine Probleme mit der Reichweite oder Zuverlässigkeit der Bluetoothverbindung.

Bei der Steuerung direkt an den einzelnen Kopfhörern unterscheidet Huawei zwischen Tippen, Gedrückthalten und Wischen. Damit sind folgende Funktionen realisierbar und nach ein paar Tagen Übung hat das auch gut funktioniert und kann in der App weiter individualisiert werden. Letztendlich kann man aber nicht ganz frei über die Funktionen entscheiden:

Antippen:

  • Beide: Anruf annehmen oder beenden
  • Links und Rechts: Play/Pause
  • Links und Rechts: “Dreimal Antippen” nächster Titel

Gedrückt halten: 

  • Beide: Anruf ablehnen
  • Links und Rechts: Sprachassistent

Streichen:

  • Beide: Streichen nach vorn – Lautstärke Plus
  • Beide: Streichen nach hinten – Lautstärke Minus

Damit sind die wichtigsten Funktionen schon mal abgedeckt. Die Huawei AI Life App verbindet sich ohne Account umgehend mit den Kopfhörern und schaltet dann neben Updates noch weitere Funktionen frei. Die App kann über diesen Link oder über die Huawei App Galarie bezogen werden. Neben vier Presets zum Musikhören steht auch ein umfangreicher Equalizer zur Verfügung. In der App hat man einen Überblick über den Batteriestatus der Ohrhörer und der Ladeschale. Weiterhin kann man die Kopfhörer lokalisieren, die Steuerung personalisieren und einen “Low Latency”-Modus für Umgebungen mit vielen Interferenzen (z.B. Flughäfen) aktivieren. Zuletzt steht sogar eine dauerhaft höhere Medienlautstärke zur Verfügung, die sich allerdings negativ auf die Klangqualität auswirkt. Leider verzichtet Huawei auf eine Trageerkennung, sodass die Kopfhörer beim Abnehmen einfach weiterlaufen.

Bei der Steuerung und der App können die Huawei FreeArc gut punkten.

Akkulaufzeit der Huawei FreeArc

Huawei FreeArc Design Verarbeitung 3

Huawei gibt auf dem Datenblatt genau die Werte an, die man auch bei den meisten Konkurrenten findet. Ein 55 mAh Akku pro Kopfhörer und ein Ladecase mit 510 mAh zum Aufladen. Die Ladezeit der Kopfhörer im Case und auch die Zeit für die Ladeschale selbst ist recht kurz. In nur 40 Minuten sind die Kopfhörer wieder voll einsatzbereit und das Ladecase benötigt nur 1 Stunde zum Aufladen. Das sind im Vergleich recht gute Werte. Die einzelnen Kopfhörer hielten bei mir auch gut 6 Stunden am Stück bei ca. 70-80% Lautstärke durch. Es gibt auch Modelle mit noch längerer Laufzeit, aber das ist definitiv noch ein guter Wert.

Testergebnis

Getestet von
Jonas Andre

Der Huawei FreeArc ist ein solider Open-Ear-Kopfhörer ohne wirkliche Innovationen, bietet aber einen hohen Tragekomfort, eine gute Gesprächsqualität und eine gelungene App-Integration. Der Klang ist in Ordnung, aber es fehlt an Bass und Tiefe – typisch für Open-Ear-Modelle. Die Bedienung funktioniert gut, wenn auch nicht vollständig individualisierbar, und die Akkulaufzeit ist mit 6 Stunden ordentlich. Besonders lobenswert ist die kurze Ladezeit.

Im Vergleich zu den 1More S70 (zum Test), Nothing Ear (Open), Soundcore AeroFit Pro (zum Test) oder Shokz OpenFit (zum Test) kann Huawei hier zwar mithalten, aber nicht wie zuletzt mit den FreeClip die Bestenliste erobern. Insgesamt sind die Huawei FreeArc ein gutes, aber nicht überragendes Open-Ear-Modell – für den Preis aber konkurrenzfähig.

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